Neue Welten

Dieser Beitrag wurde von kleiner_Baum verfasst.


vor langer, langer Zeit (so um 1995) begab es sich, dass ich die Möglichkeit erhalten sollte in neue, mir unbekannte, Welten, vorzustoßen. Das Internet klopfte an meine Tür und wollte mit mir Kontakt aufnehmen. Doch bis es dann endlich soweit war, musste ich noch einige Hürden meistern.

Auch wenn ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits gut 7 Jahre mit Computern beschäftigte, stand ich dem Internet eher skeptisch, aber dennoch neugierig, gegenüber. Auf Grund meiner Skepsis habe ich auch keine Erfahrungen mit Telefonkopplern und dem Mailboxig gemacht. Datenfernübertragung bestand für mich darin, Disketten per Post zu verschicken.

Aber von Anfang an: Ich war stolzer Besitzer eines PCs mit Intel Pentium Prozessor 120MHz, 64MB RAM und einer 10GB(!!) Festplatte. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich da schon Win95 hatte oder ob ich noch mit DOS6.22/Win3.11 arbeitete. Auf jeden Fall hatte ich mir mühsam eine ganze Menge von meinem Lehrlingsgehalt zusammengespart und kaufte mir meinen ersten Farbtintenstrahldrucker (599,- DM) und meinen ersten 4X-CD-Brenner (799,- DM), woraufhin mich meine Eltern –mal wieder – für total bescheuert hielten, als ich da stand und stolz die neuen Geräte in Betrieb nahm.

Spam-Mails in Form von Werbe-Zetteln purzelten auch aus den Kartons. Darunter war ein ganz besonderes Geschenk: ein Gutschein über 5,-DM für die Nutzung von T-Online-Internet. Ich las alles und wurde neugieriger. Nach der Installation der beiliegenden CD kam dann aber die große Enttäuschung, ich besaß kein Modem.

Noch am selben Abend habe ich dann ein Riesen-Geschäft gemacht. Ein Bekannter hatte in seinem neuen Computer so ein Wundergerät, welches er mir auf Grund von „brauch ich sowieso nicht“ zu einem Preis von 30,-DM überließ.

Als stolzer Besitzer eines hochmodernen 14.4er Modems stand ich vor dem nächsten Problem: keine TAE-Dose, nur eine ADo, in der das Telefon fest angeklemmt war. Eine entsprechende TAE-Dose zu besorgen und auch anzuschließen, war für mich gar kein Problem. Allerdings dafür die Erlaubnis vom Anschlussinhaber (meinen Eltern) zu bekommen war eine 3-tägige, kräftezehrende Tortur, die aber zum Glück von Erfolg gekrönt war.

Endlich war es soweit, ich konnte endlich auf „Verbindung zu T-Online herstellen“ klicken und das Modem begann mit dem Wahlvorgang, und das Telefon klingelte – WTF??!! Was passiert, wenn man ein Modem parallel (ja, ich weiß – mein Fehler, aber zu der Zeit wusste ich es nicht besser) zu einem anlogen Telefon mit mechanischem Läutewerk anschließt und das Modem keine Tonwahl sondern nur Pulswahl unterstützt? Richtig, das Telefon klingelt (etwas komisch) beim Wählen mit. Wieder eine Diskussion mit dem Telefonbesitzer, warum das so ist und weshalb das für das Telefon nicht schädlich ist.

webNachdem ich dann endlich all diese Hürden gemeistert hatte, war es soweit. Das Modem wählte, piepste, fiepste und knirschte. Und endlich baute sich die BTX-Startseite auf. Ja, richtig, BTX. Das Internet war zu der Zeit ein (kostenpflichtiger) Zusatzdienst, der über das BTX(Bildschirmtext) erreichbar war, sich aber in einem so genannten Browser, dem Netscape-Navigator in der Version 1.0, öffnete. Viel zu sehen gab es zu diesem Zeitpunkt im Internet noch nicht wirklich. Firmen wie Otto, Quelle und die Bahn waren zwar bereits im Internet vertreten, verwiesen aber jedoch auf ihr Angebot im BTX. Es gab zwar einige interessante englischsprachige Seiten, aber deren Aufbau dauerte schier unendlich (10 Minuten waren nix). Natürlich waren auch bereits einige News-Seiten zu finden, deren Aktualität auf Grund der rein statischen Webseiten deutlich hinter der von Tageszeitungen lag.

Um sich im Internet zurecht zu finden, musste man schon ganz genau wissen, was man wollte und nach Möglichkeit kannte man am Besten bereits die URL der Seite, die man besuchen wollte. Suchmaschinen stecken noch in den Kinderschuhen und waren nicht wirklich funktionell. Es gab einige händisch zusammengestellte Verzeichnisseiten zu bestimmten Themen, die besser waren als jede Suchfunktion.

Natürlich waren die Hauptthemen im Internet Computer und das Internet selbst, was natürlich auch nur Computer-Freaks interessierte und für den Rest der Menschheit eher uninteressant war.

Für jemanden, der mit der Materie Computer sowieso nicht vertraut war, hatte das ganze keinen Sinn. Das Internet war teuer, langsam, nicht wirklich aktuell und (aus heutiger Sicht) ziemlich hässlich.

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  1. #1 von cyberfux am 30. September 2009 - 18:18

    Habe mich nie wirklich mit BTX befasst, Maus + Fido waren eher meine Welt ;-)

(wird nicht veröffentlicht)